Tobias Reis: Wir brauchen den Eilschritt

SPD-Fraktion fordert mehr Tempo bei Schulentwicklung – Anfrage zu Schülerlenkung

Wo geht es nach den Sommerferien für die Viertklässler weiter? Für so manche Kinder offenbar nicht an
der gewünschten Schule. Wie das Darmstädter Echo berichtete, gab es jetzt ungewöhnlich viele Absagen
bei der Schulwahl. Das sorgt für Unverständnis und viele Fragezeichen, auch bei der SPD-Fraktion. Zur
Klärung der Verteilkriterien wird sie daher eine Anfrage einreichen, denn im gestrigen Schulausschuss gab
es von Schuldezernent Holger Klötzner (Volt) auf Nachfrage nur die Information, dass manche Schulen eben
stärker nachgefragt würden als andere.

Laut Echo-Bericht wird sich für 30 bis 50 Kinder weder Erst- noch Zweitwunsch erfüllen, in den Vorjahren
waren es 10 bis 15. An vier Gymnasien wurden die Plätze sogar verlost. „Diese Zustände werfen viele
Fragen auf und sind für Eltern sowie Kinder sicherlich eine Zumutung“, kritisiert Tobias Reis,
schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Die Wurzel dieses Übels liegt für ihn jedoch nicht im Schulamt,
sondern im Schuldezernat. „Jetzt rächt sich, dass unsere Schulentwicklung jahrelang verschlafen wurde und
der verantwortliche Dezernent, Holger Klötzner (Volt), gerade in den vergangenen Monaten sehr viel
Langmut, aber keine Taten erkennen lässt. Wir brauchen hier aber den Eilschritt.“

Probleme sind Symptome verschleppter Schulentwicklung

Die Zahlen, die das Staatliche Schulamt dem Echo nannte, geben Reis Recht. So habe es in diesem Jahr
insgesamt 865 Anmeldungen gegeben, im vergangenen Jahr seien es nur 735 gewesen. Für Reis ist dieser
Anstieg keine Überraschung. „Das war doch erwartbar“, meint er und verweist auf die
Bevölkerungsprognosen. „Wir wissen seit Jahren, dass Darmstadt wächst. Mehr Bevölkerung braucht auch
mehr Infrastruktur.“ Genau das hat der Schulentwicklungsplan 2023/24 abgebildet, der obendrein enthielt,
was die SPD schon seit Jahren fordert: eine neue, Integrierte Gesamtschule (IGS). „Doch trotz mehrfachen
Nachfragen wissen wir heute noch immer nicht, wo diese IGS überhaupt hin soll und wann sie kommen
könnte.“

Für den schulpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion ist offensichtlich: Kinder, die heute den Kreißsaal
verlassen, brauchen morgen eine KiTa, übermorgen eine Grundschule und danach eine weiterführende
Schule. „Es braucht kein Mathematikstudium, um zu sehen, dass die Zeit drängt“, so Reis.
Umso verwunderlicher ist für ihn, dass sich Schuldezernent Klötzner bedeckt hält. Die ausstehenden
Schulentwicklungspläne lassen auf sich warten. „In dieser Situation kann es nicht sein, dass die
Stadtverordnetenversammlung ständig vertröstet wird. Spätestens jetzt muss jeder erkennen, dass es so
nicht weiter gehen kann. Vollmundigen Ankündigungen müssen auch Taten folgen“, meint Reis.

SPD-Fraktionsvize Tim Sackreuther ergänzt: „Die aktuellen Härtefälle bei der Schulzuweisung von
Grundschulkindern auf die weiterführenden Schulen sind Symptome einer Schulentwicklung, die den
Anforderungen und Bedürfnissen in Darmstadt hinterherhinkt.“

SPD unterstreicht Notwendigkeit einer neuen IGS

Auf Basis der aktuellen Bedarfsprognosen und Empfehlungen fordert die SPD daher – wie schon seit Jahren – eine neue, Integrierte Gesamtschule, „da die Kapazitäten der bestehenden Gesamtschulen ausgelastet
sind, obwohl ein Bedarf nach eben solchen Schulplätzen besteht“, wie Sackreuther erläutert. Eine neue IGS
sei auch attraktiv für einen alternativen Weg zum Abitur und würde die Darmstädter Schullandschaft mit
ihrem Angebot im Bereich der weiterführenden Schulen vielfältiger und attraktiver machen. „Dass das
Modell der IGS beliebt ist, zeigen die aktuellen Anmeldezahlen bei der Erasmus-Kittler-Schule in
Kranichstein.“

Doch wie lange muss Darmstadt darauf noch warten? Sackreuther, auch Vorsitzender des Schulausschusses, betont, dass der Ausbau von Schulplätzen an den weiterführenden Schulen mit Bau und
Gründung eines neuen Schulstandorts schneller gehen müsse, als es bisher im Grundschulbereich der Fall
war. Dies unterstreiche der aktuelle Anstieg der Ablehnungen bei den Schulwünschen.

Anfrage zum aktuellen Verfahren der Schulzuweisung

Indes wird die SPD in einer Anfrage die aktuellen Zustände hinterfragen, insbesondere, welche Kriterien das
Schulamt anwendet, wenn gewünschte Schulen überbucht sind. „Wir brauchen hier Transparenz und
konkrete Zahlen. Wenn dem Schulwunsch schon nicht entsprochen werden kann, so müssen die
betroffenen Familien die Vergabekriterien wenigstens nachvollziehen können. Eltern und Kinder, aber auch
die Schulen, brauchen Planungssicherheit“, betont der schulpolitische Sprecher Tobias Reis.