Mit dem Rollstuhl den Hauptbahnhof zu navigieren, ist Stresstest pur

Nach einem Selbsttest der Barrierefreiheit mit dem Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V. (CBF) zeigte sich der Darmstädter Stadtverordnete Rodan Zeybek (SPD) überrascht über die fehlende Barrierefreiheit am Hauptbahnhof. „Ich bin schockiert über das, was ich gesehen und gehört habe. Der Hauptbahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt unserer Stadt. Für viele Menschen mit Behinderung ist er aber bis heute voller Hindernisse“, erklärt Zeybek.

Bereits seit Jahren weist der CBF auf gravierende Probleme hin. Eine Untersuchung der Hochschule Darmstadt zur Barrierefreiheit des zentralen Omnibusbahnhofs stellte grundlegende Mängel fest. Die Gesamtbewertung lautet „ungenügend“. Blindenleitsysteme seien an zentralen Stellen unterbrochen oder kaum wahrnehmbar, Orientierungssysteme zwischen Bahnhof, Busbahnhof und Bahnsteigen fehlten teilweise, und die Gestaltung der Flächen erschwere gerade Rollstuhlfahrende die Fortbewegung erheblich.

Auch die Situation der Behindertentoilette im Bahnhof ist problematisch. Sie war an dem Tag des Besuchs unmöglich für Rollstuhlfahrende ohne Assistenz zu öffnen. Zeybek berichtet von wiederkehrenden Defekten, mangelnder Ausstattung und einem Notrufsystem, das zeitweise nicht funktioniere oder Notruflampen, die niemand sieht. „Dass die Toilette nicht nutzbar ist, ist unwürdig. Das Behinderte dort im Notfall lange auf Hilfe warten, ist brandgefährlich“, so Zeybek.

Besonders kritisch sieht der Stadtverordnete, dass in der historischen Bahnhofshalle kein durchgängiges Blindenleitsystem existiert und wichtige Ziele wie das Reisezentrum, Bahnsteige oder Toiletten nur schwer auffindbar sind. Zeybek hofft, dass mit dem neuen Hessischen Denkmalschutzgesetz jetzt auch in Gebäuden wie dem Darmstädter Hauptbahnhof die Belange behinderter Menschen stärker berücksichtigt werden können.

„Barrierefreiheit ist kein Nischenthema. Sie entscheidet darüber, ob Menschen selbstbestimmt am Alltag teilnehmen können. Darmstadts Bahnhof zeigt, dass die Bahn mehr für Menschen mit Behinderung tun müsste“, erklärt Zeybek.